Die Kieferorthopädie beschreibt und behandelt die Abweichungen einer regelrechten Entwicklung des Kausystems wie etwa Störungen der Kiefer- und Zahnanlage.
Eine fehlerhafte Kieferentwicklung, Bisslagenfehler und Zahnstellungsanomalien können mit ihr korrigiert werden.
Zu dem Aufgabenfeld der Kieferorthopädie gehört die rechtzeitige Erkennung von anormaler Entwicklung, der Bestimmung des Ausmaßes der Fehlentwicklung und der zu treffenden Behandlungs- maßnahmen. Die Sprach- und Kaufunktion so wie die Ästhetik soll durch sie wiederhergestellt oder verbessert werden und nach der Behandlungsmaßnahme das Ergebnis dauerhaft beibehalten. Behandlungsziel ist die Erlangung eines Regelgebisses ohne Beschädigung des Kausystems.
KLASSIFIZIERUNG
Zahnstellungsanomalien und/oder Kieferfehlstellungen lassen sich mit mechanisch oder funktionell wirkenden, mit starren oder elastischen, mit passiven oder aktiven Geräten behandeln. Ob nun ein Kieferorthopädisches Gerät nur passiv oder nur aktiv ist, lässt sich nicht immer klar definieren weil viele Geräte beide Eigenschaften besitzen. Die Verankerung zur Kräfteübertragung wird entweder intraoral (im Mund) oder extraoral (außerhalb des Mundes) erfolgen, wobei bei einer extraoralen Verankerung ein Gesichtsbogen mit Hilfe eines Nackenbandes oder einer Kopfhaube verankert wird.
Klar hingegen wird die Definition dabei ob es sich um ein herausnehmbares oder festsitzendes Gerät handelt. Bei den herausnehmbaren Geräten unterscheidet man drei Gruppen. Die aktiven Geräte, welche entweder im Ober- oder Unterkiefer zum Einsatz kommen. Die passiven Geräte, welche im Ober- und Unterkiefer gleichzeitig eingesetzt werden und die sogenannten Retentionsgeräte, welche nach einer Behandlung zur Erhaltung des Ergebnisses eingegliedert werden. Wie schon erwähnt können die einzelnen Gruppen aktive und passive Elemente vereinen.
Eine relativ neue Form der Korrektur von Zahnfehlstellungen ist die Behandlung mit Hilfe einer unauffälligen Schienentherapie. Hierbei wird dem Patienten ein überschaubarer Therapieplan aufgestellt in dem er sukzessiv individualisierte Zahnschienen trägt, welche sich mehr und mehr der geplanten Zahnstellung annähern und die Zähne auf diese Weise richten. Diese Zahnschienen sind praktisch nicht zu erkennen und lassen sich problemlos in allen Situationen tragen. Nur zum Essen müssen sie herausgenommen werden. Die Vorteile des herausnehmbaren Gerätes sind Einfachheit und Ungefährlichkeit was die Gesundheit und die Handhabung betrifft. Des Weiteren lässt sich das Gerät ohne Probleme herausnehmen um eine optimale Mundhygiene beizubehalten und so das Kariesrisiko zu vermindern.
Nachteilhaft sind die beeinträchtigte Lautbildung und der schlechte Tragekomfort. Die Mitarbeit des Patienten ist ebenso wichtig wie die Einhaltung von festgelegten Tragezeiten und ist erforderlich um einen Behandlungserfolg zu erlangen.
Zu den Festsitzenden Geräten gehören Band-Bogen-Geräte, eher bekannt als Brackets, Gaumennahterweiterungsgeräte für den Oberkiefer um Kreuzbisse zu behandeln und die so genannte „Schiefe Ebene“ mit dessen Hilfe obere Schneidezähne, welche stark nach lingual gekippt, hinter die untere Zahnreihe beißen, wieder in normale Position gebracht werden.
Die Vorteile des Festsitzenden Gerätes sind eine relativ kurze und überschaubare Behandlungsdauer selbst bei komplizierten Fällen. Das Umfassende Korrekturspektrum macht die Anwendung universell einsetzbar. Während der Kontrollsitzungen sind Aktivierungen und Korrekturen realisierbar. Die Mitarbeit des Patienten ist nicht erforderlich und das Beschädigungsrisiko des Gerätes durch den Patienten ist sehr gering.
Nachteilhaft ist die ständige Wirkung des Gerätes welche nicht unterbrochen werden kann. Eine genaue Kontrolle der Krafteinstellung ist nicht möglich und Gewebsschäden sind nicht ausgeschlossen. Die unzureichenden Reinigungsmöglichkeiten erhöhen das Kariesrisiko und wiederholte Röntgenkontrollen fallen an. Aus ästhetischem Gesichtspunkt ist eine festsitzende Spange recht auffällig (Brackets in Zahnfarbe sind eine unauffälligere Alternative zu herkömmlichen).
